WO SICH GUT KERAMIK MACHEN LÄSST …
Bekannte Werkstätten im Spiegel der Zeit
DIESSEN.– Diessen ist ein Ort, an dem sich gut Keramik machen lässt. Das haben die Töpfer frühzeitig gespürt. So ist die Hafner-Tradition auch über Jahrhunderte nie unterbrochen und bis heute weiter getragen worden.
Nach der Blütezeit im 19. Jahrhundert waren in Diessen noch 20 Hafner-Generationen bekannt. Aber die Zeit veränderte sich und die Hafner stellten auf Kunstgewerbe um. Fürs keramische Schaffen brach eine neue Ära an, vor allem um die Werkstätten bekannter Töpfer wie die der Bauhausschüler Hilde und Erich Kloidt, um die sich junge Künstler scharten, die neugierig waren auf die neue Zeit. Außerdem traten in Diessen Künstlerpersönlichkeiten auf, die später in die Keramikgeschichte eingingen.
Martin Ganser, ein Hafnermeister alter Tradition hatte bedeutende Schüler. Darunter verdient Theo Schmuz-Baudis Erwähnung, der 1902 an die staatliche Porzellanmanufaktur in Berlin berufen wurde. Bei Ganser töpferte auch Adelbert Niemeyer, Lehrer an der Kunstgewerbeschule in München. Auguste Papendieck, 1873 in Bremen geboren, war die erste Frau, die die Meisterprüfung im Töpferhandwerk abgelegt hat. Paul Dresler ließ sich 1910 in Diessen nieder. Er studierte zunächst Medizin, dann Malerei an der Debitz-Schule. Danach wurde er Töpfer. Er ließ sich bei Joseph Schormayer, einem Diessener Hafner, ausbilden, der in volkstümlicher Überlieferung tätig war.
Hanna Wienholz kam 1919 an den Ammersee. Ihre Werkstatt war für viele Diessner Keramiker die erste Anlaufstelle. Im Frühling 1920 eröffnete Max Fehr eine keramische Werkstätte zusammen mit den ehemaligen Kunststudenten Hans Seelos, Fritz Fürst und Hans Göbel. In der Werkstätte Seelos arbeitet man heute noch in der seinerzeitig charakteristischen Unterglasur-Malerei.
Von Bedeutung wurden auch die Werkstätten von Heribert Kiechle und Friedrich Hudler. Letztgenannte entwickelte sich zum größten Keramikbetrieb am Ort. Walter Popp schließt den Kreis der für Diessen bedeutenden Keramiker. Er kam von der gestaltenden Fotografie und befasste sich seit 1948 als Autodidakt und Schwiegersohn von Paul Dressler mit Keramik. Sein Bestreben war es, die Aussagekraft keramischer Formen zu intensivieren. Er wurde Keramik-Pädagoge in Kassel und verstand es, junge Keramiker zu Höchstleistungen zu motivieren. Viele seiner Schüler zählen heute zu den namhaften Töpfern der Gegenwart. Dass Diessen den Ruf einer Künstlerkolonie genießt – dazu hat die Keramik mit über 30 Werkstätten in diesem Jahrhundert beigetragen. 2.550 Zeichen
In Diessen am Ammersee ist die Keramik zuhause:
Der Ort des guten Tons
DIESSEN.– In der Marktgemeinde Diessen am Ammersee ist die Keramik zu Hause. Seit dem Mittelalter. Viele fragen sich warum. Die Antwort ist ganz einfach: Große Tonlagerstätten auf den Diessener Fluren begünstigten die Entwickung des Hafner- und Zieglerhandwerks. Im 14. Jahrhundert gab es bereits Ziegeleien, was Flurnamen wie Ziegelstadel, Ziegelwiese und Ziegelboden beweisen. Sie erinnern noch heute an dieses Handwerk, das den Bedarf an Dachziegeln, Dachreitern, Ziegelsteinen, keramischen Bodenplatten und Geschirr deckte.
Dass die Töpferei blühte, hängt aber auch mit der sozialgeschichtlichen Entwicklung des Ortes
zusammen, in dem die Landwirtschaft untergeordnet war, stattdessen Handel und Handwerk die Struktur bestimmten. Größter Auftraggeber war das Kloster, außerdem wurden die Diessener Waren im ganzen Pfaffenwinkel und darüber hinaus verhandelt. Die Bevölkerung in Diessen war zu keiner Zeit eine rein bäuerliche und daher nicht vergleichbar mit Orten in der Nachbarschaft.
Schon im 11. und 12. Jahrhundert hatte Diessen den Status einer Kleinstadt und war damals bedeutender als die heutigen Kreisstädte Weilheim und Landsberg/Lech. In der Nachfolge der Grafen von Diessen und Andechs, prägte das große Augustiner Chorherrenstift den Ort am Ammersee. Die geistlichen Herren betrieben eine Siedlungspolitik, die auf das Gewerbe
setzte. Handwerker gestalteten den Ort und das Kloster gab ihnen Brot und Arbeit. Das Kloster mit seinem Repräsentationsbedürfnis war größter Auftraggeber für Kachelöfen und dekorative Objekte, was durch Rechnungen und Briefprotokolle nachgewiesen ist. In diesen Protokollen
ist genau festgehalten, wie Ökonomie- und Klostergebäude ausgestattet wurden und wie viele Gulden die Hafner dafür bekommen hatten.
Im Verhältnis zu Holz verarbeitenden Handwerkern, oder zu Bäckern, Metzgern und Schustern, die den alltäglichen Bedarf deckten, war die Zahl der Hafner für die damals 200 Häuser in Diessen überproportional hoch. Sie stellten wesentlich mehr Tonwaren her, als für die lokale Versorgung nötig waren. Die bisher älteste Urkunde stammt aus 1631. Sie besagt, dass die drei ansässigen Hafner sich nur ernähren können, weil sie „plab und weiß Geschirr“ in ferne Städte verhandeln.
Auch die Ausstattung der Kloster-Apotheken in der Region, die von den oberbayerischen Seen bis in die Alpen reichte, bescherte den Töpfern eine Menge Arbeit. Salbengefäße, Schalen, Krüge und spezielle Geschirre bildeten die Basis für Verdienstmöglichkeiten im Pfaffenwinkel, wo es damals mehr Klöster auf kleinem Raum gab, als anderswo. Dabei haben sich die Diessener auf die handwerkliche Fayence-Herstellung spezialisiert. Begünstigt durch hervorragende weiß deckende Tone, die sich für die weißen Glasuren eigneten, die – mit blauen Symbolen und Dekoren bemalt – als „Diessener plab und weiß” in die Geschichte
eingingen, florierte der Handel prächtig.
So kommt es gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einem Zuwachs auf acht Anwesen in denen Hafnergeschirr hergestellt wurde. In Diessen gab es zu dieser Zeit 328 Häuser. In einer Schilderung von Michael Wening, zu Beginn des 18. Jahrhunderts findet sich folgende Bemerkung: „Man macht auch diß Orths vil schönes weisses Hafner-Geschirr, so weit und brait
verhandelt wird.” Daraus lässt sich schließen, dass die Fayencen, die in Diessen produziert wurden, wohl hauptsächlich für den Verkauf nach auswärts bestimmt waren.
Für den täglichen Gebrauch stellten die Hafner bis ins 19. Jahrhundert Irdengeschirr her. Davon wurde in jedem Haushalt viel verbraucht zum Essen und Trinken, für Milchverarbeitung, Vorratshaltung und vieles mehr. Hier sind die Tone der Region von größter Bedeutung gewesen, denn Glas war für die Bevölkerung zu teuer. So hat sich das Handwerk der
Hafner fest etabliert. Einen Höhepunkt gab es dann in den 1920-er Jahren, heute produzieren zehn Werkstätten am Ort.
Zu Besuch bei einer bekannten Keramikerpersönlichkeit Im Keramikgarten von Ernst Lösche DIESSEN.– Er ist das ganze Jahr über ein Genuss, aber im Frühsommer, da versprüht er so viel Charme, dass man sich schwer trennt und den Besuch möglichst lange hinauszieht: Der Keramikgarten von Ernst Lösche ist die liebenswürdigste Begegnung mit der Diessener Hafner-Tradition, und es ist ein erlebnisreicher Spaziergang durch das zeitgemäße Schaffen einer großen Keramiker-Persönlichkeit. Ernst Lösche gelingt es Jahr für Jahr, sein blühendes Paradies am Kirchsteig in Diessen – mit der direkten Blickachse über die Kreuzkapelle zum Marienmünster und bei klarem Wetter bis hinüber auf die Ostseite des Ammersees nach Kloster Andechs – in ein Refugium zu verwandeln, das die enge Beziehung zwischen der Natur und dem Naturmaterial Ton genial in Szene setzt. Es ist eine eigene Welt, fernab des Trubels und trotzdem dem Marktzentrum ganz nah. Ein vitaler und vor allem auch farbenprächtiger Kosmos, in der sich die keramische Welt mit der naturnahen Gartenkultur auf eine untrennbare Verbindung einlässt. Was so natürlich ausschaut und die Seele zum Lächeln bringt, ist eine Kulturlandschaft mit eigenem Reiz. Entstanden durch die sanfte Regie eines Menschen, mit großem Respekt vor der Schöpfung. Alles, was um den Ammersee an Gewächsen zuhause ist, schmückt und ziert sich mit im Sonnenlicht gleißenden Lüsterglasuren, mit Gartenzier im überlieferten Diessener plab und weiß, mit den für die Töpfertradition so berühmten Dekoren aus Spirale, Vogel, Granatapfel und aus Symbolen der Marien-Verehrung. Ernst Lösche zeigt auf dem traditionsreichen Grundstück mit den historischen Gebäuden, darunter auch ein Turm, in dem einer der letzten Pröpste des Augustiner Chorherrenstiftes Diessen nach der Säkularisation zuhause war, alle tönernen Spielarten. Angefangen von überlieferten Formen des Gebrauchsgeschirrs bis zu den ideenreichen Varianten der Gartengestaltung mit Pflanzgefäßen, Schalen, Objekten. Im Mittelpunkt steht die Gartenkugel. Eine Überlieferung der Barockgärten, die Ernst Lösche vor über 45 Jahren wieder belebte, ihr zu neuer Blüte verhalf und sie ständig weiterentwickelt. Das Besondere: Original Lösche-Rosenkugeln aus Fayence oder Porzellan, bemalt, gelüstert oder mit Ascheglasuren gestaltet, gehören heute zu jeder zeitgemäßen Umsetzung anspruchsvoller Gartenkultur. Im Keramikgarten geschieht aber viel mehr: An den Freilandöfen, die den Brennstellen der alten Diessener Hafner nachgebaut sind, demonstriert Ernst Lösche Brennmethoden der Vorfahren. Immer wieder sehens- und erlebenswert sind die Schwarzbrände. Im Reduktionsverfahren gebrannt, entstehen Keramik-Unikate in unglaublich vielfältigen Schwarz-Varianten, was dem Keramiker und international gewürdigten Forscher den Namen „Schwarzbrenner vom Kirchsteig” einbrachte. Dazu zeigt Lösche im Keramikmuseum – mit Blick auf den Keramikgarten – die Entwicklung der Diessener Keramik vom elften Jahrhundert bis heute. Auf dem Keramikweg durch Diessen entdeckt der Spaziergänger im Westen der Marktgemeinde das Diessener Keramikzentrum: Die Werkstätten Lösche und Larasser am Kirchsteig. Werkstattführungen und Museumsbesuch auf Anmeldung unter Telefon 00 49 - 88 07 – 18 77, während des Töpfermarktes täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.
Diessen am Ammersee rüstet sich für
Europas großes Töpfer-Festival
Diessen am Ammersee – Der Diessener Töpfermarkt am See findet auch wieder in den Seeanlagen statt. Er beginnt traditionsgemäß an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 17. Mai und endet am Sonntag, 20. Mai. Die Seenanlagen vor Diessen verwandeln sich wie-der vier Tage lang in eine hochkarätige Bühne für Europas Töpfer-Elite. Täglich von 10 bis 18 Uhr. Zur gleichen Zeit sind die Wettbewerbsarbeiten des Diessener Keramikpreises 2007 im Traidtcasten des Kirchenzentrums ausgestellt, sowie die Stationen am Dies-sener Keramikweg quer durch die historische Marktgemeinde geöffnet.
150 Keramiker aus zehn Ländern hat die Jury unter mehreren hundert Bewerbern ausgewählt. Mit Marktleiter Wolfgang Lösche an der Spitze entstand wieder eine anspruchsvolle Zusammenstellung von Werkstätten, die das zeitgenössische keramische Schaffen in allen Stilformen zeigen. Marktbesucher, Galeristen und Sammler erhalten einen umfassenden Überblick, wie sich die Keramik-Szene in Europa gegenwärtig darstellt, welche Entwicklungen sie nimmt und mit welchen Innovationen das keramische Kunstschaffen in die Zukunft geht.
Keramik am See ist nach sechs Jahren erfolgreicher Präsentation entlang des Seeufers zu einem Leitbegriff des Marktes geworden. Keramik am See inspiriert die Aussteller, in ihren Arbeiten auf die Atmosphäre der Seenlandschaft einzugehen. Es zieht sich durch alle keramischen Techniken, wie bemalte Irdenware, Steinzeug, Raku, Fayence und vor allem auch Por-zellan. Immer mehr Werkstätten greifen die Impulse von Wasser, Wind und Wolken auf, so dass die Keramik am See auch 2007 das Generalthema wird.
Im Herzen des Marktes – gleich beim Dampfersteg – begrüßt der zentrale Pavillon die Gäste mit Trink- und Schankgefäßen. Der Pavillon von Erwin Kloker ist architektonisches Symbol und zugleich Drehscheibe für den Diessener Töpfermarkt geworden. Er bietet dem Besucher Orientierung und erste Information über die am Markt vertretenen Werkstätten. Heuer mit Trink- und Schankgefäßen. Die Töpfer bieten Becher, Bierkrüge, Trinkschalen, Kelche, Schankkrüge, Aquamanilie, Vorratsgefäße für Getränke aller Art und alles, was ihnen zur Kultur des Trinkens einfällt an, aber auch zum Ausschenken von Getränken und zur Vorratshaltung von Flüssigem. Der zentrale Pavillon, direkt beim Dampfersteg, begrüßt die Gäste aber auch mit frisch gepressten Fruchtsäften, mit Tee, Kaffe und natürlich dem Trendgetränk Schokolade, so dass man an Ort und Stelle das Gefühl, aus einem hochwertigen Gefäß zu trinken, sogleich erspüren und erleben kann. Von hier aus können gezielt die Werkstätten der individuellen Vorlieben angesteuert werden. Weitere Informationen gibt es auch beim benachbarten Infostand der Marktgemeinde Diessen. Die Markt-Hostessen informieren über die Werkstätten und weisen den Weg über das zwei Kilometer lange Marktgelände am Seeufer.
Töpfer, Keramiksammler und Galeristen, die aus ganz Europa kommen, konzentrieren ihr Interesse vor allem auf den Diessener Keramikpreis 2007: Dialog mit Formen und Strukturen lautet das Thema, zu dem wieder gut 50 Einsendungen erwartet werden. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und von Brennofenhersteller Helmut Rohde gestiftet. Die besten ihrer Zunft nehmen teil und zeigen mit ihren Innovationen, in welche Richtung sich das keramische Kunstschaffen bewegt. Die Zulassung zum Wettbewerb erfolgt über eine Vorjurierung durch Fotos. Die Bewerbungen für den Diessener Keramikpreis müssen bis Donnerstag, 5. April 2007 bei der Marktgemeinde Diessen (Rathausplatz 1, 86911 Diessen am Ammersee) eingereicht werden.
Marktbesucher erleben aber auch entlang des Diessener Keramikweges den Charme der Marktgemeinde des Ortes. Beginnend am Dampfersteg und dem Pavillon der Arbeits-gemeinschaft Diessener Kunst leitet der Keramikweg die Besucher durch den historischen Ortskern, vorbei an den Werkstätten im Zentrum und führt dann steil bergauf ins Kirchenzentrum, das in seinem über 300 Jahre alten Traidtcasten eine wichtige und wesentliche Ausstellung beheimatet: Die Arbeiten des Diessener Keramikpreises 2007. Davor wartet der Taubenturm mit einer Keramikschau auf, weiter geht es über die Werkstätten entlang des Kirchsteigs: Christoph Möller, Dagmar Lasser, Ernst Lösche mit Werkstatt sowie der Grabungs- und Forschungsstätte Alt-Diessener Keramik mit Museum und Sonderschau.
Wer das Gesamtkunstwerk Diessen aus Kultur, Natur, aus Wassersport und Gastfreundschaft stressfrei erleben möchte, bucht die Anreise mit der Ammersee-Schiffahrt oder fährt mit der Ammersee-Bahn (Bahnlinie Augsburg – Weilheim – Garmisch) in den oberbayerischen Pfaffenwinkel. Die Haltestellen von Schiff und Bahn befinden sich direkt am Markt. Für Autoreisende ist gesorgt, Auffangparkplätze befinden sich an den Ortseingängen mit kostenlosem Bustransfer während der gesamten Marktzeit. Diessen ist via Schondorf und Utting an die Autobahn München – Lindau, BAB 96, angebunden und sowohl aus Richtung Augsburg als auch aus Richtung München gut erreichbar.
Abenteuer Töpfermarkt
DIESSEN - Die schönste Promenade am Ammersee, die mit ihrem naturnahen
Charme punktet, bietet Raum und Atmosphäre für große Ereignisse, die es nicht überall gibt: Der Diessener Töpfermarkt gilt als europaweiter Branchen-Hochkaräter, der vom Seeufer aus die keramische Welt eroberte. “Das soll so bleiben", ist es der Wunsch in der Marktgemeinde und Künstlerkolonie Diessen, aber auch der Wunsch bei den Töpfern und bei den Besuchern. Für sie ist Christi Himmelfahrt untrennbar mit der Eröffnung des internationalen Keramiker-Festivals im oberbayerischen Diessen verbunden. Heuer von Donnerstag, 25. Mai bis Sonntag, 28. Mai.
Die Lebendigkeit und Attraktivität der keramischen Großveranstaltung für die Zukunft sichern, ist eines der Anliegen von Marktleiter Wolfgang Lösche. Deshalb pflegt er einerseits das Gewohnte und die Beständigkeit, auf der anderen Seite werden die Besucher Jahr für Jahr mit Neuigkeiten überrascht: 15 neue Aussteller sind 2006 dabei, für die sich die Jury im strengen Auswahlverfahren entscheiden hat. "Das hält den Markt vital und dynamisch", betont Lösche und freut sich, erneut eine Qualitätssteigerung ankündigen zu können, "weil wir sehr individuell arbeitende Werkstätten aufgenommen haben." Sie stellen keramische Warengruppen vor, "wozu bisher nichts Vergleichbares am Markt gezeigt wurde."
Neben der Kontinuität der Klassiker - Lösche: “Unser Schwerpunkt bleibt nach wie vor handwerklich produziertes Gebrauchsgeschirr und wir pflegen die Kultur des keramischen Gefäßes aus Steinzeug, Raku, Fayence, Porzellan, Irdenware.” - findet der Besucher Sammlerstücke und Unikate mit Galerien-Charakter. Der Marktleiter vergleicht den Marktbummel mit einer Entdeckungsreise, “zwischen den bekannten Werkstätten spürt der Besucher immer wieder neue auf und erlebt dadurch eine Bereicherung, die auch etwas mit Abenteuerlust zu tun hat.”
Die Bereicherung wird auch immer globaler. Die Aussteller aus den
europäischen Ländern werden immer mehr, und die inländischen Werkstätten stehen ebenfalls Schlange. Maximal 150 können dabei sein, weshalb ein konsequentes Auswahlverfahren gepflegt wird, um aus den Bewerbungen - in diesem Jahr wurde die Rekordmarke der vergangenen Märkte noch einmal gebrochen und über 400 registriert - eine repräsentative und hochwertige Bandbreite internationalen Schaffens zusammen zu stellen.
Den Schwerpunkt nehmen auch heuer wieder die deutschen Werkstätten ein. Eine
stattliche Abordnung kommt aus dem berühmten französischen Töpferzentrum um
La Borne und aus anderen französischen Regionen. Aus England sind bekannte Namen dabei. Mit ausgefallenen Oberflächengestaltungen und ungewöhnlichen Glasurtechniken beschreibt Marktleiter Lösche die Objekte von Eddie Curtis, Roger Lewis und Andrew Palin. Es sei eine Bereicherung der Keramikwelt, was die schöpferischen Töpfer von der Britischen Insel an den Ammersee bringen, “Arbeiten die man hierzulande nur auf dem Diessener Töpfermarkt sehen kann.” Auf der französischen Seite ist erstmals Yves Lambeau dabei, der mit Kristallglasuren und organischen fruchtartigen Gefäßen fasziniert. Die Werkstatt Attenberger aus Dorfen zeigt erstmals ihre handgefertigten Bodenziegel, die aus ungemischten Tonen archaisch und einzigartig daher kommen. Attenberger gilt als wichtiger Partner der Denkmalpfleger. Seine Bodengestaltungen ziehen bei sanierten Objekten, zum Beispiel im Kloster Benediktbeuern die Blicke an.
Weitere Akzente setzen Werkstätten aus Finnland, Italien, den Niederlanden, aus Österreich, der Schweiz, Rumänen, Spanien und Ungarn. Zum Teil mit landestypischen Keramiken vertreten, repräsentieren sie ihre unterschiedlichen Töpfertraditionen. Dies gilt vor allem auch für die Kultfigur des Diessener Töpfermarktes: Nikos Kavgalakis aus Margarites, einem Dorf auf der griechischen Insel Kreta. Er baut am Mühlbach-Ufer wieder seine Drehscheiben-Straße auf und führt vor, wie seit alters die mediterranen Vorratsgefäße, die Pithoi hergestellt werden.
Addiert man die Seeufer-Romantik dazu, mit dem Geruch des Wassers, dem sanften Wellenschlag der Fischerkähne oder Sportboote, das Stampfen der Ammersee-Raddampfer, die leichte Brise, die immer wieder vom See her aufkommt, letztendlich den Blick auf die föhnige Alpenkette im Süden oder die Weite des oberbayerischen Sees Richtung Norden - dann begreifen die Besucher, was die Einheimischen längst wissen: Hier wachsen der Kreativität Flügel. Europas Keramiker-Elite ist da.
Helmut Rohde, Stifter des Diessener Keramikpreises:
Marke auf höchstem Niveau
Diessen am Ammersee - Helmut Rohde, Brennofenhersteller aus Prutting bei Rosenheim, hat 2001 den Diessener Keramikpreis gestiftet, um die Qualität im Kunsthandwerk zu würdigen und vor allem der jungen Keramiker-Generation Motivation und Anerkennung zu geben. Das ist ihm gelungen. Der Diessener Keramikpreis - dotiert auf 2.000 Euro - ist binnen vier Jahren zu einer begehrten Auszeichnung in Europa geworden.
Rohde selbst, früher Entwicklungsingenieur bei Siemens, wandte sich in den 1970-er Jahren der Keramik zu. Anfangs aus Liebhaberei. In der eigenen kleinen Töpferwerkstatt, kam schließlich der Ingenieur wieder durch, der den Keramikern mit technischem Know-how neue Perspektiven eröffnen wollte. Heute gehört seine 1982 gegründete Brennofen-Firma zu den europaweit aktiven Entwicklern und Herstellern von Brennöfen, die in handwerklichen Keramikbetrieben eingesetzt werden. Rohde bietet über 50 Ofentypen an. Mit 80 Mitarbeitern und Tochterunternehmen in der Tschechischen Republik (ein Land mit großer Töpfertradition und enormer Dichte von keramischen Betrieben) weiß er immer aktuell, was in Europa läuft.
Helmut Rohde: “Der Diessener Töpfermarkt wird nicht nur regional wahrgenommen. Er spielt international ganz vorne mit." Der Ingenieur erzählt von seinen Reisen zu den Töpferwerkstätten im In- und Ausland, dass jeder Keramiker den Diessener Töpfermarkt kennt und schätzt, "von Finnland bis Südfrankreich." Die Diessener Hafnertradition und die aktuelle, überaus lebhafte Töpferszene sowie der gute Ruf des Diessener Töpfermarktes am See sind für Rohde Gründe, sich nach wie vor für die Wertigkeit zu engagieren, die in Diessen dem Kunsthandwerk entgegengebracht wird. Auch seitens der politischen Entscheidungsträger. Bei soviel positiven Faktoren hätte die Töpferkunst in Diessen nicht nur eine der Tradition verhaftete Heimat, sondern auch ein gutes Klima für zukünftige Entwicklungen. "Deshalb gehört der Töpfermarkt am See auch zu den ganz großen Nummern in Europa."
Dass Rohde mit dem Diessener Keramikpreis dazu beitrage, ein Markenzeichen auf ein exklusives Fundament zusetzen, würdigt Diessens Bürgermeister Herbert Kirsch: "Die Marktgemeinde als Veranstalter schätzt sich glücklich, einen so großartigen Förderer mit im Boot zu haben und damit der Großveranstaltung auch branchenintern ein Glanzlicht zu verleihen." Das könnte die Gemeinde in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten momentan nicht leisten.
Die Expertin:
Für Gabi Dewald ist Diessen die Nummer eins
DIESSEN. Sie reisen mit größtem Vergnügen jedes Jahr nach Diessen: Keramiker aus ganz Europa wollen auf das “Erlebnis Töpfermarkt am See" nicht verzichten. Sie schätzen die Veranstaltung als Forum für Dialog und Austausch. In Diessen dabei zu sein, gilt aber auch als Qualitätsmerkmal und Gütesiegel. Das bestätigt Gabi Dewald, seit 12 Jahren Chefredakteurin vom KeramikMagazin und Expertin der Szene: “Diessen ist ganz vorne platziert". Der kommerzielle Gedanke sei bei den europäischen Gästen eher untergeordnet, haben Marktleiter Wolfgang Lösche und Brennofenhersteller Helmut Rohde (Stifter des Diessener Keramikpreises) übereinstimmend beobachtet. Vielmehr sei es die Internationalität des Töpfer-Festivals am Ammersee, das speziell Kunstschaffende aus England und Frankreich, aber auch aus anderen Ländern anzieht, die aus “unglaublich reicher keramischer Tradition schöpfen". In beiden Ländern fänden überaus renommierte Märkte und Fachveranstaltungen statt, “trotzdem versäumen es gerade die berühmten Keramiker dieser Länder nie, hierher zu kommen. Das freut uns sehr". Für Gabi Dewald liegen die Ursachen auf der Hand: “Die Jury in Diessen wählt sehr gut aus und die Einbindung der europäischen Werkstätten ist ausgesprochen gut". Gott sei Dank, fährt sie fort, beweise Marktleiter Wolfgang Lösche den Mut, einerseits nicht von seinen Qualitätskriterien abzurücken, und auf der anderen Seite auch auf der Hochwertigkeit der Stände zu beharren, “nur so hat der Markt eine Chance, wird immer besser, was auch ganz im Sinne der Gemeinde ist", die davon profitiere.
Als einen der ganz großen Pluspukte in Diessen bezeichnet sie es, dass der Schwerpunkt Geschirr in Reinkultur gepflegt wird. Außerhalb der Märkte gäbe es dafür keine Plattform. Es gäbe nur wenig Märkte, bilanziert sie, wo auch auf der Ausstellerseite die übereinstimmende Meinung vorherrscht: “Da lohnt sich das Hinfahren". Die Leute kämen nicht, weil sie den Ammersee so schön fänden, sondern weil sie um die Klasse des Marktes wissen, der wegen seinem Niveau auch erstklassiges Publikum anzieht. Große Märkte gäbe es genug, hält sie fest, aber nur wenige, die es schaffen, im Herzen Europas auf so angenehme Weise den europäischen Gedanken zu formen. Außerdem beobachtet sie, dass die wichtigen Töpfermärkte zunehmend im Segment Keramik die Frankfurter Messe ersetzen. Diessen sei ein solcher wichtiger Messe-Ersatz geworden. “Für viele Wiederverkäufer, die nur einmal einen Markt besuchen, wo viele und wichtige Anbieter sind, kommt n
Für die Keramikforschung waren vor allem Grabungen in St. Georgen am Ende der 1970-er Jahre von großer Bedeutung, weil sie auf einem ehemaligen Hafnergrundstück der Klosterhofmark des Augustiner Chorherrenstiftes durchgeführt wurden. Auf diesem Grundstück ist heute die Keramikwerstatt von Ernst Loesche (Am Kirchsteig 19 - 21) beheimatet. Das umfangreiche Grabungsmaterial gab damals wertvolle Aufschlüsse über eine oberbayerische Keramikproduktion des 17. und 18. Jahrhunderts. Sensationell waren vor allem die vielen Fayence-Funde mit kobaltblauer Malerei, die aus den Werkstätten der Diessener Fayence-Hafner des 17. Jahrhunderts stammenDie Bedeutung des Marktes Diessen als wichtiges Produktionszentrum für Hafnergeschirr ist bekannt. Grabungen und archivalische Forschungen belegen, dass hier über Jahrhunderte in vielen Häusern des Ortes das Töpferhandwerk ein gutes Auskommen sicherte. Vor allem im 17. Jahrhundert wurde Hafnerware, die heute als typisch für die frühen Produktionen in Diessen gilt, unter der Bezeichnung plab und weiss Geschirr weit über den Pfaffenwinkel hinaus verhandelt.
DIESSEN.– Die Marktgemeinde hat viele Höhepunkte: Einer davon heißt heute Ammersee Segelschule. Im nächsten Jahr feiert das Unternehmen 80. Geburtstag und ist somit die älteste private Binnensee-Segelschule in Deutschland. Sie befindet sich mit ihrer unverwechselbaren Steganlage und dem historischen Bootshaus in direkter Nachbarschaft zum Diessener Töpfermarkt – zwei die bewährtes Handwerk pflegen, es zeitgemäß fortführen und weitergeben an Jung und Alt, an Menschen aus nah und fern
Diessen am Ammersee rüstet sich für großes Töpfer-Festival
Diessen am Ammersee – Der Diessener Töpfermarkt am See findet 2006 Ende Mai statt: Wie in jedem Jahr beginnt das internationale Keramiker-Festival an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 25. Mai und endet am Sonntag, 28. Mai. Die Seenanlagen vor Diessen verwandeln sich wieder vier Tage lang in eine hochkarätige Bühne für Europas Töpfer-Elite. Täglich von 10 bis 18 Uhr.
150 Keramiker aus zehn Ländern hat die Jury unter den 400 Bewerbern ausgewählt. Mit Marktleiter Wolfgang Lösche an der Spitze entstand wieder eine hoch qualitative Zusammenstellung von Werkstätten, die das gegenwärtige keramische Schaffen in allen seinen Stilformen zeigen. Marktbesucher, Galeristen und Sammler erhalten einen einzigartigen Überblick, wie sich die Keramik-Szene in Europa gegenwärtig darstellt, welche Entwicklungen sie nimmt und mit welchen Innovationen das keramische Kunstschaffen in die Zukunft geht.
Das Leitmotiv des Marktes – Keramik am See – inspiriert die Aussteller, in ihren Arbeiten auf die Atmosphäre der Seenlandschaft einzugehen. Es zieht sich durch alle keramischen Techniken, wie bemalte Irdenware, Steinzeug, Raku, Fayence und vor allem auch Porzellan. Gartenkeramik wird passend zur Jahreszeit wieder groß geschrieben und auch in Verbindung mit Gärtnereien lebendig und anschaulich gestaltet.
Im Herzen des Marktes – gleich beim Dampfersteg – begrüßt der zentrale Pavillon die Gäste mit dem Thema Tee-Keramik. Hier finden die Besucher alles rund um den Teegenuss. Zugleich beweisen die Arbeiten die Vielfalt des keramischen Schaffens auf dem Markt. Die Werkstätten zeigen am Beispiel von Teekannen und Zubehör ihren Werkstattstil und erlauben dem Marktbesucher einen ersten Überblick zu dem reichen Angebot. Von hier aus können gezielt die Werkstätten der individuellen Vorlieben angesteuert werden. Weitere Informationen gibt es beim benachbarten Informationsstand, der den Weg weist über das zwei Kilometer lange Marktgelände am Seeufer.
Marktbesucher erleben aber auch entlang des Diessener Keramikweges den Charme der Marktgemeinde Diessen am Ammersee. Beginnend am Dampfersteg und dem Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst leitet der Keramikweg die Besucher durch den historischen Ortskern, vorbei an den Werkstätten im Ort und führt steil bergauf ins Kirchenzentrum, das in seinem über 300 Jahre alten Traidtcasten eine wichtige und wesentliche Ausstellung beheimatet: Die Arbeiten des Diessener Keramikpreises 2006, in diesem Jahr zum Thema Geometrische Variationen in Form und Dekor. Der Diessener Keramikpreis, ausgelobt vom Brennofenhersteller Rohde aus Prutting beim oberbayerischen Rosenheim, gehört zu den etablierten und begehrten Anerkennungen in der Branche.
Wer das Gesamtkunstwerk Diessen aus Kultur, Natur, aus Wassersport und Gastfreundschat stressfrei erleben möchte, bucht die Anreise mit der Ammersee-Schiffart oder fährt mit der Ammersee-Bahn (Bahnlinie Augsburg – Weilheim – Garmisch) in den oberbayerischen Pfaffenwinkel. Die Haltestellen von Schiff und Bahn befinden sich direkt am Markt. Für Autoreisende ist gesorgt, Auffangparkplätze befinden sich an den Ortseingängen mit kostenlosem Bustransfer während der gesamten Marktzeit. Diessen ist via Schondorf und Utting an die Autobahn München – Lindau, BAB 96, angebunden und sowohl aus Richtung Augsburg als auch aus Richtung München gut erreichbar.
Die Expertin:
Für Gabi Dewald ist Diessen die Nummer eins
DIESSEN. Sie reisen mit größtem Vergnügen jedes Jahr nach Diessen: Keramiker aus ganz Europa wollen auf das “Erlebnis Töpfermarkt am See" nicht verzichten. Sie schätzen die Veranstaltung als Forum für Dialog und Austausch. In Diessen dabei zu sein, gilt aber auch als Qualitätsmerkmal und Gütesiegel. Das bestätigt Gabi Dewald, seit 12 Jahren Chefredakteurin vom KeramikMagazin und Expertin der Szene: “Diessen ist ganz vorne platziert". Der kommerzielle Gedanke sei bei den europäischen Gästen eher untergeordnet, haben Marktleiter Wolfgang Lösche und Brennofenhersteller Helmut Rohde (Stifter des Diessener Keramikpreises) übereinstimmend beobachtet. Vielmehr sei es die Internationalität des Töpfer-Festivals am Ammersee, das speziell Kunstschaffende aus England und Frankreich, aber auch aus anderen Ländern anzieht, die aus “unglaublich reicher keramischer Tradition schöpfen". In beiden Ländern fänden überaus renommierte Märkte und Fachveranstaltungen statt, “trotzdem versäumen es gerade die berühmten Keramiker dieser Länder nie, hierher zu kommen. Das freut uns sehr". Für Gabi Dewald liegen die Ursachen auf der Hand: “Die Jury in Diessen wählt sehr gut aus und die Einbindung der europäischen Werkstätten ist ausgesprochen gut". Gott sei Dank, fährt sie fort, beweise Marktleiter Wolfgang Lösche den Mut, einerseits nicht von seinen Qualitätskriterien abzurücken, und auf der anderen Seite auch auf der Hochwertigkeit der Stände zu beharren, “nur so hat der Markt eine Chance, wird immer besser, was auch ganz im Sinne der Gemeinde ist", die davon profitiere.
Als einen der ganz großen Pluspukte in Diessen bezeichnet sie es, dass der Schwerpunkt Geschirr in Reinkultur gepflegt wird. Außerhalb der Märkte gäbe es dafür keine Plattform. Es gäbe nur wenig Märkte, bilanziert sie, wo auch auf der Ausstellerseite die übereinstimmende Meinung vorherrscht: “Da lohnt sich das Hinfahren". Die Leute kämen nicht, weil sie den Ammersee so schön fänden, sondern weil sie um die Klasse des Marktes wissen, der wegen seinem Niveau auch erstklassiges Publikum anzieht. Große Märkte gäbe es genug, hält sie fest, aber nur wenige, die es schaffen, im Herzen Europas auf so angenehme Weise den europäischen Gedanken zu formen. Außerdem beobachtet sie, dass die wichtigen Töpfermärkte zunehmend im Segment Keramik die Frankfurter Messe ersetzen. Diessen sei ein solcher wichtiger Messe-Ersatz geworden. “Für viele Wiederverkäufer, die nur einmal einen Markt besuchen, wo viele und wichtige Anbieter sind, kommt nur Diessen in Frage".
Der Diessener Keramikpreis
Preisträger 2005
Thema: Vorratsgefäße
- André von Martens aus Gosda
Schwarzbrand
- Bernard David aus Henrichemont/Frankreich
Steinzeug
Anerkennungen ausgesprochen hat die Jury für die Arbeiten von
- Martin Möhwald, Halle/Saale
Porzellan
- Acki Jürgens und Renate Schuck, Dresden
Bemaltes Steinzeug
- Fritz Renner, Obergünzburg
Raku
Preisträger 2004
Thema: Keramikpaare
- Jochen Rüth aus Altisheim
- Roland Summer aus Velden/Österreich
Preisträger 2003
Thema: Formen - Glasuren - Dekore
- Uwe Löllmann aus Hilzingen
- Billa Reitzner aus München
Preisträger 2002
Thema: Keramikunikate - Erlesene Sammlerstücke
- Nandl Eska aus München
Preisträger 2001
Thema: Das handwerkliche Geschirr
- Keramische Werkstatt Margarethenhöhe aus Essen
- Katja Maechtel aus Nürnberg
- Hans Fischer aus Passau
Diessener Keramikpreis 2005:
Vorratsgefäße für gute Erinnerungen
DIESSEN.- Der Diessener Keramikpreis 2005 ist heuer geteilt worden: Zum Auftakt des Diessener Töpfermarktes am See sind in einem Festakt im Kirchenzentrum der Marktgemeinde Bernard David aus Henrichemont/Frankreich und André von Martens aus Gosda/Deutschland für ihre Umsetzung des Wettbewerbthemas "Vorratsgefäße" mit dem begehrten Prädikat ausgestattet worden, das auch noch mit je 1.000 Euro Preisgeld verbunden ist. Der Diessener Keramikpreis ist von Brennofenhersteller Helmut Rohde aus Prutting bei Rosenheim vor fünf Jahren ins Leben gerufen worden. Der Preis hat sich binnen weniger Jahre zu einem Qualitätsmerkmal in der europäischen Keramikszene entwickelt. Rohde ist nach wie vor Stifter der Preisgelder.
Wie unterschiedlich die 60 Keramiker das Thema Vorratsgefäße aufgefasst und in ihrer jeweiligen Technik wieder gegeben haben, hätte die Jury fasziniert, hielt Marktleiter Wolfgang Lösche in seiner Laudatio fest. Einerseits sei er sicher gewesen, beim Vorratsgefäß handle es sich um eine einfach Sache, "von wegen, die Jury hätte stundenlang diskutiert." Dabei sei klar geworden, von welch unterschiedlichen Auffassungen und Inhalten die Kunsthandwerker die Herausforderung gemeistert hätten.
Da seien Vorratsgefäße für die guten Gedanken entstanden, für die guten Erinnerungen, für Pillen, für schweres Wasser oder für die Entsorgung von Atommülls. Als Inbegriff des Vorratsgefäßes, wie er seit Jahrtausenden gebräuchlich ist, bezeichnet Lösche die Großgefäße, die Pithoi, des kretischen Töpfers Nikos Kavgalakis. Von Anfang an beim Töpfermarkt am See dabei, seien die tönernen Amphoren, Schalen und Krüge inzwischen zu einem Logo des Marktes geworden, spendete er dem griechischen Gast ein großes Kompliment.
Es gäbe aber Behälter, die vom gewohnten Bild abweichen, fuhr Lösche fort und steigerte die Spannung bei den gut 300 Gästen, darunter wohl allen Töpfern am Markt. Als er die Preisträger nannte, brach kaum enden wollender Applaus aus und Zwischenrufe, wie "die haben es verdient", zeigten die handwerkliche Anerkennung der Branche für Bernard David und André von Martens.
Bernard David gestaltete eine Gruppe von drei Vorratsgefäßen aus Steinzeug-Ton. Es sind durch Deckel verschließbare Hohlkörper, die auch der Aufbewahrung dienen könnten. David weckt Assoziationen und zitiert dabei Gebrauchs- und Vorratsgefäße fremder Kulturen. Viel stärker als die klar definierte Funktion was ihn ihnen aufzubewahren ist, ist ihre plastische und überzeugend skulpturale Ausdruckskraft und Präsenz, erklärte Lösche die großen Objekte, die in spannungsreichem Kontrast zu den Arbeiten André von Martens stehen: Mit großer handwerklicher Präzision schaffe er Dosen von hoher Eleganz und Kostbarkeit, beschreibt Lösche die Arbeiten. Sie hätten die Jury wegen ihrer stillen Präsenz überzeugt, ihre schwarz glänzenden Oberflächen erinnern an Ebenholz. Ihr filigranes Dekor steigere die Dosen zu Kunstkammerstücken. Sie hätten Noblesse, seien raffiniert, überraschend leicht und verführen zum Aufmachen, um zu entdecken, was sie verbergen."
Anerkennungen hat die Jury ausgesprochen für die Porzellan-Arbeiten von Martin Möhwald aus Halle an der Saale, für Acki Jürgens und Renate Schuck, die aus Dresden kommen mit bemaltem Steinzeug, sowie für Fritz Renner aus Obergünzburg, dessen Raku-Arbeiten in ihre Schlichtheit und traditionellen Authentizität faszinieren.
500 Euro gab es auch noch für den schönsten Stand am Markt. Seit fünf Jahren stiftet Andrea Wolbring aus Baldham bei München (Wolbring Keramikbedarf) die Prämie, die dazu dient, die Wertigkeit der Stände zu betonen, die mit der Keramik und der Landschaft eine Einheit eingehen. In diesem Jahr war es der zentrale Pavillon mit der Aktion empty bowls. Bei empty bowls handelt es sich um das weltweite humanitäre Hilfswerk der Töpfer gegen den Hunger in der Welt, das die Diessener Keramikmeister Christoph Möller und Cornelia Goossens erstmals beim Markt am See etablierten: Alle Keramiker am Markt spendeten leere Schalen, die zum Sonderpreis für die Hungerhilfe-Aktionen der Töpfer verkauft wurden. 850 Schalen haben in nur zwei Tagen den Besitzer gewechselt, "deshalb ist es heuer ein Preis ist für alle Keramiker am Markt", freute sich Lösche und wies hin, wie mit dieser Summe die Spenden für die Hilfsprojekte in Südafrika und Südamerika noch besser unterstützt werden können.
"Wir haben wieder einmal ein Keramik-Festval vom Feinsten, leider spielt das Wetter nicht ganz mit", ging Lösche auf Regen, Wind und Tiefsttemperaturen ein. Trotzdem sei vor allem am ersten Markttag, an Christi Himmelfahrt, starker Besuch gewesen, der den Vorjahren in nichts nachsteht. Ein Keramiker hätte die Situation auf den Punkt gebracht: "Egal um welchen Markt es sich handelt, wenn es regnet, kannst du in aller Regel die Veranstaltung vergessen und heimgehen." In Diessen sei das ganz anders: "Die Marktbesucher verschwinden, wenn es anfängt zu regnen. Danach sind sie alle wieder da und kein Mensch weiß, wo sie plötzlich wieder herkommen."
60 Jahre Keramik Lösche:
Aktuell: Efeu-Asche
DIESSEN. Am Ende des Diessener Keramikwegs zieht das Diessener Keramikzentrum am Kirchsteig 19 bis 21 mit den Werkstätten Lösche und Larasser die Blicke an. Sie laden ganzjährig mit Werkstattausstellungen, Museum und Keramikpark zum Besuch ein. Auf dem ehemaligen Söldengütl-Hafnergrundstück, das bereits im Mittelalter der Hafnerproduktion diente, führt Ernst Lösche seit 60 Jahren eine berühmte Werkstatt. Im Jubiäumsjahr präsentiert er unter anderem auch im hauseigenen Werkstattmuseum Beispiele von Lösche-Keramik von 1945 bis heute. Sehenswert sind vor allem die Keramikfunde aus Dießen, die bis ins 11. Jahrhundert reichen.
Im Freiland zeigt der Keramiker immer wieder Vorführungen, die man höchst selten erlebt. Im Holzofen werden Raku-Techniken und klassischer Schwarzbrand demonstriert. Außerdem zeigt er auch wie klassische Fayence-Lüsterglasuren im offenen Feuer reduzierend gebrannt werden. Das gegenwärtige Werkstattprogramm wartet mit Unikaten in Porzellan und Steinzeug mit Ascheglasuren auf. In diesem Jahr aktuell die Glasuren auf Efeu-Asche. Übrigens weist auch die östliche Vitrine beim Pavillon am See (Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst) auf 60 Jahre Lösche-Keramik hin mit einem Querschnitt der Werkstatt-Stile durch die sechs Jahrzehnte.
Larasser Keramik im Farbenrausch
Gegenüber, mit der Hausnummer 21, verlegt Keramikerin Dagmar Larasser ihr Atelier ins Freie und stellt im Landschaftsgarten des Keramikzentrums Diessen ihre tönernen Neuformulierungen zeitgemäßer Gefäßkunst aus. Dazu auch immer wieder figürliche Überraschungen, die das Thema “Keramik am See" kommunizieren, das ganze in leuchtenden Farben bis zum kraftvollen Rot.
11.000 Euro für humanitäre Kinderhilfe beim Diessener Töpfermarkt 2005:
Mit empty bowls
gegen den Hunger in der Welt
DIESSEN am Ammersee - Sie haben mit einem großartigen und vorbildlichen Einsatz Zeichen gesetzt für humanitäre Hilfe über Grenzen und Kontinente hinweg: 150 Keramiker vom Diessener Töpfermarkt 2005 und Gastwirte aus Diessen erwirtschafteten mit der Aktion empty bowls (leere Schalen) an zwei Töpfermarkttagen 11.011,60 Euro. Das Geld wird geteilt und geht zu gleichen Teilen an das Tagesheim für Straßenkinder in Lajedão/Brasilien und an den Kinderhausverein Afrika für ein Vorschul-Projekt in Zimbabwe. Bürgermeister Herbert Kirsch begrüßte Vertreter der Vereine im Rathaus Diessen und überreichte das Geld: "Wir sind stolz und glücklich, mit unserem Töpfermarkt buchstäblich grenzenlose Hilfe unterstützen zu können."
Der zentrale Ausstellungspavillon beim Diessener Töpfermarkt 2005 war auch heuer wieder Attraktion und Anziehungspunkt zugleich. Von den Marktbesuchern schon vor der offiziellen Markteröffnung dicht umlagert, weil neben dem informativen Charakter über die ausstellenden Töpfer auch verführerischer Duft lockte. Der kam von einer kleinen Suppenküche, wo Diessener Gastwirte Gemüsesuppe und Eintopf köchelten, was in den frischen Morgenstunden des Himmelfahrtstages für viele gerade recht kam. Begeistert nahmen sie die Idee auf, im zentralen Ausstellungspavillon eine leere Schale im Losverfahren zu erwerben. Zum Benefiz-Preis von 12 Euro (jede handgetöpferte Schale hatte mindestens den dreifachen Wert) gab es eine handgetöpferte Schale, gefüllt mit dampfender Suppe und Brot.
850 leere Schalen haben die am Markt beteiligten Töpfer für das Hilfswerk empty bowls gestiftet. 600 wechselten schon am ersten Markttag den Besitzer. Der "Rest" von 250 Stück ging am zweiten Tag weg. "Mit diesem überwältigenden Erfolg haben wir nicht gerechnet", freuen sich die Diessener Keramikmeister Cornelia Goossens und Christoph Möller, die das internationale Töpferhilfswerk gegen den Hunger in der Welt beim Diessener Töpfermarkt eingeführt haben. Sie verbürgen sich auch, dass die Gelder auf dem persönlichen Weg nach Brasilien und Afrika gebracht und dort für Kinder in größter Not eingesetzt werden.
Dafür garantieren auch die Vertreterinnen der Vereine. Bei der Spendenübergabe im Rathaus Diessen stellte Celia Cardoso-Niedermeier, die in Windach lebt, das Tagesheim für Straßenkinder in Lajedão vor. Seit vielen Jahren unterstützt der Eine-Welt-Förderkreis-Windach das 1993 gegründete Objekt, in dem zur Zeit 50 Kinder von sechs bis 15 Jahren eine Heimat haben. Für den Kinderhausverein Afrika nahm Jutta Kuschmieder das Geld entgegen. Sie berichtete von der großen Aids-Epidemie in Zimbabwe und von der unvorstellbaren Not der Kinder ohne Mütter, ohne ärztliche Hilfe, die hungern und alleingelassen sind. Dankbar nahm sie den empty bowls-Erlös entgegen und betonte vor der Presse, wie viel Leid damit erträglicher gemacht werden kann.
Für Marktleiter Wolfgang Lösche ist die Aktion empty bowls ein "großartiges Zeichen für weltumspannende Hilfe." "Dem sensationellen Ergebnis" von empty bowls auf dem Diessener Töpfermarkt 2005 begegnet er mit größten Respekt angesichts der wirtschaftlichen Krise, die gerade dem Kunsthandwerk Existenzprobleme bereitet. "Danke allen Töpfern für ihren großartigen Einsatz", sagt Lösche und freut sich, wie engagiert die Marktbesucher die Aktion angenommen haben.
Ein Dankeschön den Diessener Gastwirten, darunter das Wirtshaus am Kirchsteig, der Maurerhansl, das Unterbräu, EssensArt, GamS Gasthaus am Sportplatz, Seehaus Riederau und das Schmuckwerk.
Diessen, im Mai 2005
Trotz Witterungsschwankungen am Ammersee:
Töpferfestival 2005 zieht
magisch an
DIESSEN. Von der Sonne verwöhnt und vom weiß-blauen Kaiserwetter gehätschelt, so kennen Besucher aus dem In- und Ausland den Diessener Töpfermarkt am See. Dass er 2005 erstmals von einer Schlechtwetter-Periode mit starken Schauern bis Dauerregen, mit kalten Winden die vom Ostufer des Ammersees ans Westufer wehten, bis zu empfindlicher Kälte attackiert wurde, hat bewiesen, dass von Marktleiter Wolfgang Lösche, über den Bürgermeister Herbert Kirsch und vor allem den 150 Ausstellern, jeder mit der Ausnahmesituation umgehen kann. Alle versuchten, dem Wetter die positiven Seiten abzutrotzen. Vor allem die Keramiksammler und Liebhaber ließen sich nicht abschrecken. Warm vermummt hielten sie Europas berühmtem Töpfer-Festival die Treue. 40.000 Besucher hat die Polizei registriert. Und eine durchgängige Meinung auf dem Marktgelände: "Wer bei diesem Wetter kommt, kauft." Deshalb, so bestätigen Aussteller, seien auch schöne Geschäfte getätigt worden.
Das war neu beim Diessener Töpfermarkt am See: Einmal haben die Besucher
anstelle von Sonnenschirmen der vergangenen vier Marktsaisons 2005
ihre Regenschirme aufgespannt. Entlang des Seeufers und zwischen den Ständen kamen die Feuerschalen eines Töpfers aus Obergünzburg zu ganz neuen Ehren. Überall wurde die warme Glut kräftig geschürt und animierte manchen Marktbesucher, für kühle Abende auch eine der rustikalen, dickwandigen Schalen mitzunehmen. Schalen, die in ihrer Authentizität das Material Steinzeug-Ton intensiv wirken lassen, das gerade im Freiland Hinschau-Akzente setzt.
25.000 kommen an Christi Himmelfahrt
So trübe wie sich die Natur präsentierte, wo der graue Himmel in den düsteren
Ammersee überzugehen schien, war die keramische Welt am See aber nicht. Das
Szenarium zeigte sich zwischendurch immer wieder mal in Sonnenlicht getaucht. Wer sich aber an den ersten Tag erinnert, an Christi Himmelfahrt, ist schon auf seine Kosten gekommen. Rund 25.000 Gäste haben die Ortspolizisten registriert, wobei sie die Fahrzeuge auf den Töpfermarkt-Parkplätzen mit den Zugreisenden der Ammerseebahn und den Ankömmlingen per Ammersee-Schifffahrt addierten. Einheimische, Radler und andere Zweiradfahrer nicht inkludiert. Am Freitag waren es gerade mal 4.000 Besucher, am Samstag 5.000 und am Sonntag gab es
noch mal eine kleine Steigerung auf gut und gern 6.000.
Extreme Rahmenbedingungen
Ein großes Kompliment an die 150 Töpfer, die aus 12 Ländern angereist sind -
für viele das Markt-Ereignis des Jahres - und die durchgehalten haben, kommt von Marktleiter Wolfgang Lösche. "Obwohl die Rahmenbedingungen überaus extrem waren, sind die Aussteller erstaunlich gut drauf gewesen." Dabei sei es nicht für alle gut gelaufen, "wir haben mit Sicherheit auf der ganzen Linie einen Rückgang und die Zahl jener, die mit totalem Absturz heimfuhren, ist höher als sonst." Manche Keramiker hätten kaum Umsätze zu verzeichnen, wieder andere seien zufrieden. Die übereinstimmende Aussage jener, die wiederholt in Diessen Marktbeteiligung hatten: "Nicht so wie sonst, aber im wesentlichen gut."
Den größten Erfolg dürfte wohl die Aktion empty bowls eingefahren haben. 850
Schalen haben Töpfer gestiftet für das weltweite Keramiker-Hilfswerk gegen
den Hunger in der Welt. Schon am ersten Tag wurden 600 Schalen mit heißer
Suppe verkauft. Der Absatz wäre weitergegangen, hätte die Suppe gereicht. Am
Samstag, sagt Lösche, sei die Aktion dann endgültig eingestellt worden - wegen Ausverkaufs der leeren Schalen. "Es war eine Super-Idee, die das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Aussteller untereinander, aber auch mit ihren Besuchern stärkte." Empty bowls, sei ein Lichtblick gewesen, der sicherlich von Dießen aus weiter strahlt und sich in der Zukunft mit jenem Hoffnungsschimmer verbindet, der in vielen Ländern bereits leuchtet.


