Susanne Altzweig und ihre Schalen
DIESSEN.- Tosender Applaus, der nicht aufhörte. Nahezu 300 Töpfer signalisierten der Jury, dass sie die beste Wahl getroffen hat: Susanne Altzweig ist mit dem Diessener Keramikpreis 2009 ausgezeichnet worden. Zu Tränen gerührt nahm sie die in Europa begehrte Auszeichnung im Diessener Traidtcasten entgegen: „Es ist das erste Mal, dass ich einen Preis gewinne.“ Alles andere ging im Beifallssturm unter.
Susanne Altzweig stammt aus dem Töpferzentrum Höhr-Grenzhausen. Sie hat zwei geformte Schalen eingereicht zum Keramikpreis 2009. 76 Keramiker – bisher waren es zwischen 50 und 60 - waren heuer zum Wettbewerb zugelassen. Sie hatten sich zum Thema „Schalen“ geäußert, und damit die Jury vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Marktleiter Wolfgang Lösche erklärte bei der Preisverleihung, dass die Spontaneität dieser freien Formen auf einer handwerklich und künstlerisch sicheren Umgangsweise mit Keramik basiert: „Sie verrät Susanne Altzweigs jahr-zehntelange intensive Auseinandersetzung um Formen und Dekore.“
Lösche attestierte den Schalen einen großzügigen Charakter: „Sie sind gestisch, frisch und lebendig, heiter und zugleich kraftvoll.“ Lösche betonte, dass sich die Schalen in erster Linie auch ohne Inhalt präsentieren und sich somit selbst zur Verfügung stellen. Ihre Formen und Dekore hätte etwas Einladendes. Form und Dekor gingen dabei eine Symbiose ein. Besonders überzeugt hätte die Jury die Eigenständigkeit der Schalen, die erst auf den zweiten Blick den Reichtum an keramischen Techniken offenbaren. Mit diesen Arbeiten schlage Susanne Altzweig einen für ihr keramisches Schaffen neuen, ausdrucksstarken Weg ein.
Den Diessener Keramikpreis hat Helmut Rohde, Brennofenhersteller aus Prutting bei Rosenheim, 2001 installiert. Benjamin Rohde, der das Engagement und die Förderung des keramischen Kunstschaffens genauso wie sein Vater pflegt, hat den mit 3.000 Euro dotierten Preis beim Festakt im Traidtcasten überreicht. Die Jury setzte sich zusammen aus Gabi Dewald (internationale Keramik-Kuratorin und Chefredakteurin Keramikmagazin), Professor Dr. Florian Hufnagl (Leiter der Neuen Sammlung München), Sonngard Marcks (Keramikpreisträgerin 2008), Dr. Angela Böck (Handwerkskammer für München und Oberbayern) sowie Keramiksammler Rudolf Strasser aus München.
Der Preisverleihung folgte auch wieder die zweite Anerkennung, für die der Diessener Markt bekannt ist: Andrea Wolbring (Keramikbedarf aus Baldham) stiftet parallel zum Keramikpreis eine Auszeichnung für den schönsten Marktstand, die mit 500 Euro dotiert ist. Die Auszeichnung bekam heuer die Münchner Keramikerin Billa Reitzner, „den Stand beobachten wir seit Jahren“, sagte Andrea Wolbring, „weil er in seiner Geradlinigkeit von hoher Ästhetik geprägt ist.“ Der Präsentationsstand ist die Bühne für Porzellan in schwarz und weiß, das konsequent und pur die gute Form zum Credo erhebt. bb.

Dauerausstellung im Diessener Rathaus
DOKU DER TÖNERNEN IDEEN
Seitdem der Diessener Töpfermarkt vom westlichen Ortsrand ans Seeufer gewandert ist, seitdem gibt es auch den Diessener Keramikpreis. Gestiftet von Brennofen-Hersteller Helmut Rohde aus Prutting bei Rosenheim, ist der Preis im Jahr 2001 zum ersten Mal ausgelobt worden. Die Marktgemeinde Diessen kauft die Arbeiten der Preisträger an, um eine Sammlung aufzubauen.
Alle bisher erworbenen Keramiken sind in einer Vitrinen-Schau im Dießener Rathaus ausgestellt. Zu besichtigen während der Öffnungszeiten: Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 12 Uhr, zusätzlich am Dienstag von 14 bis 16 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.
Preisträger 2001
Das handwerkliche Geschirr
- Keramische Werkstatt Margarethenhöhe aus Essen
- Katja Maechtel aus Nürnberg
- Hans Fischer aus Passau
Preisträger 2002
Keramikunikate - Erlesene Sammlerstücke
- Nandl Eska aus München
Preisträger 2003
Formen - Glasuren - Dekore
- Uwe Löllmann aus Hilzingen
- Billa Reitzner aus München
Preisträger 2004
Keramikpaare
- Jochen Rüth aus Altisheim
- Roland Summer aus Velden/Österreich
Preisträger 2005
Vorratsgefäße
- André von Martens aus Gosda
- Bernard David aus Henrichemont/Frankreich
Anerkennungen ausgesprochen hat die Jury für die Arbeiten von
- Martin Möhwald aus Halle/Saale
- Acki Jürgens und Renate Schuck aus Dresden
- Fritz Renner aus Obergünzburg
Preisträger 2006
Geometrische Variationen in Form und Dekor
- Inke Lerch-Brodersen aus Bünsdorf
- Johannes Peters aus Freiburg
Eine Anerkennung ausgesprochen hat die Jury für die Arbeiten von
- Christine Wagner aus München
Preisträger 2007
Dialoge, Formen, Strukturen
- Enno Jäkel aus Köln
- Kap Sun-Hwang aus Kellinghusen
Preisträger 2008
Inspirationen aus der Natur
- Renate Balda aus Waldkirchen
- Sonngard Marcks aus Wolfenbüttel
Mit Anerkennungspreisen wurden gewürdigt
Frank Schillo aus Rheinbach-Merzbach
Juliane Herden aus Halle
Preisträger 2009
Schalen
- Susanne Altzweig aus Höhr-Grenzhausen
Helmut Rohde, Stifter des Diessener Keramikpreises:
Marke auf höchstem Niveau
Diessen am Ammersee - Helmut Rohde, Brennofenhersteller aus Prutting bei Rosenheim, hat 2001 den Diessener Keramikpreis gestiftet, um die Qualität im Kunsthandwerk zu würdigen und vor allem der jungen Keramiker-Generation Motivation und Anerkennung zu geben. Das ist ihm gelungen. Der Diessener Keramikpreis - dotiert auf 3.000 Euro - ist zu einer der begehrten Auszeichnung in Europa geworden.
Rohde selbst, früher Entwicklungsingenieur bei Siemens, wandte sich in den 1970-er Jahren der Keramik zu. Anfangs aus Liebhaberei. In der eigenen Töpferwerkstatt, kam schließlich der Ingenieur wieder durch, der den Keramikern mit technischem Know-how neue Perspektiven eröffnen wollte. Heute gehört seine 1982 gegründete Brennofen-Firma zu den europaweit aktiven Entwicklern und Herstellern von Brennöfen, die in handwerklichen Keramikbetrieben eingesetzt werden. Rohde bietet über 50 Ofentypen an. Mit 80 Mitarbeitern und Tochterunternehmen in der Tschechischen Republik (ein Land mit großer Töpfertradition und enormer Dichte von keramischen Betrieben) weiß er immer aktuell, was in Europa läuft.
Helmut Rohde: “Der Diessener Töpfermarkt wird nicht nur regional wahrgenommen. Er spielt international ganz vorne mit." Der Ingenieur erzählt von seinen Reisen zu den Töpferwerkstätten im In- und Ausland, dass jeder Keramiker den Diessener Töpfermarkt kennt und schätzt, "von Finnland bis Südfrankreich." Die Diessener Hafnertradition und die aktuelle, überaus lebhafte Töpferszene sowie der gute Ruf des Diessener Töpfermarktes am See sind für Rohde Gründe, sich nach wie vor für die Wertigkeit zu engagieren, die in Diessen dem Kunsthandwerk entgegengebracht wird. Auch seitens der politischen Entscheidungsträger. Bei soviel positiven Faktoren hätte die Töpferkunst in Diessen nicht nur eine der Tradition verhaftete Heimat, sondern auch ein gutes Klima für zukünftige Entwicklungen. "Deshalb gehört der Töpfermarkt am See auch zu den ganz großen Nummern in Europa."
Dass Rohde mit dem Diessener Keramikpreis dazu beitrage, ein Markenzeichen auf ein exklusives Fundament zusetzen, würdigt Diessens Bürgermeister Herbert Kirsch: "Die Marktgemeinde als Veranstalter schätzt sich glücklich, einen so großartigen Förderer mit im Boot zu haben und damit der Großveranstaltung auch branchenintern ein Glanzlicht zu verleihen." Das könnte die Gemeinde in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten momentan nicht leisten.
