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Diessener Töpfermarkt

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Der Beweis einer großen Tradition:

 

Mit reichem Barock-Profil

 

DIESSEN.– Ein Tonkrug bewegt die Fachwelt. Er beweist den hohen Stellenwert der Diessener Fayence-Herstellung im 17. Jahrhundert. „Das Wichtigste ist die exakte Jahreszahl”, freut sich Volkskundler Wolfgang Lösche und zitiert ein Vergleichsstück aus dem Weilheimer Stadtmuseum datiert auf 1655. „Damit ist die Fayence-Herstellung in Diessen von 1655 bis 1684 nachgewiesen.” Lösche spricht von einem sehr langen Zeitraum, in dem Bemalung und Dekore im typischen Dießener plab und weiß gepflegt wurden, „der Beweis einer großen Tradition.”

Wie sieht nun der in Fachkreisen sehr berühmte Krug aus? Das wesentliche Merkmal ist die sechseckige Form. Die Felder eigenen sich besser für ausgeprägte Bemalung als ein runder Bauch. Auf der Schauseite, der vorderen Seite, sind die Leidenswerkzeuge Christi dargestellt. Die weiteren Felder zeigen die Monogramme IHS, die Kreuzesinschrift INRI sowie das Herz Jesu mit den Kreuznägeln und der Jahreszahl 1684. Das Dekor ist ausschließlich in kobaltblau gemalt. Insgesamt ziert den Krug ein reiches barockes Profil.

Unter dem Henkelansatz ist gut erkennbar ein Zeichen – heute spräche man von einem Logo oder einer Marke – es ist kreisrund und stellt ein Mühlenrad dar. Das lässt auf einen Besitzer des kostbaren Kruges schließen, der Müller war, in jedem Falle aber einen Beruf ausübte, der mit Wasserantrieb zu tun hatte. Damals keine Seltenheit, denn entlang des Mühlbaches waren Hammer-, Öl-, Papier- und andere Mühlen angesiedelt. Außerdem gab noch die Klostermühle, die Marktmühle und die Untermühle. 

Dieses  Logo deutet aber auch darauf hin, dass der Krug keinem sakralen Zweck diente, was die Häufung christlicher Symbole auf den ersten Blick vermuten lässt. Die Frage könnte geklärt werden, so bald die Initialen auf dem Zinndeckel – FAS – identifiziert und einer Person (vielleicht sogar mit Berufsbezeichnung) zugeordnet sind.

 

 


Eine echte Diessener Sensation:

 

Nach 324 Jahren wieder daheim

 

DIESSEN.– Von einer Sternstunde für die Keramikforschung spricht Diessens Bürgermeister Herbert Kirsch: Er hat einen plab und weiß glasierten Fayence-Krug ersteigert – datiert auf das Jahr 1684. Er stammt aus Diessener Produktion und ist nach über 300 Jahren wieder heimgekehrt.

 

Kirsch freut sich über die kunsthistorische Rarität und betont deren hohen Stellenwert für die internationale Keramikforschung und für die lokale im Besonderen. Nur drei Krüge und eine Schale aus dieser Zeit sind in den letzten 25 Jahren im Kunsthandel aufgetaucht. Die Fayence stammt vom berühmten Hafner-Grundstück am Kirchsteig, auf dem die Lösche-Dynastie seit Ende der 1930-Jahre lebt, arbeitet und forscht. Diessens Marktleiter, der Volkskundler Wolfgang Lösche, ist auf dem Hafner-Anwesen aufgewachsen und lebt heute auch dort: „Wenn ich den Krug anschaue, habe ich das Gefühl, einem alten Bekannten gegenüberzustehen.” Zurzeit ist das Zeugnis jahrhundertealter Töpferkunst in den Rathaus-Vitrinen zu sehen. 

Wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag ist Keramiker Ernst Lösche überwältigt. Der Keramikforscher hält einen sechsfach gedrückten, 25 Zentimeter hohen Krug in beiden Händen. Vorsichtig, so sensibel, wie man nur mit einer großen Leidenschaft umgeht, streift er am Henkel entlang, erfasst den Rand des Kruges, vergleicht die Dekore und barocken Ausschmückungen mit keramischem Material aus seinem unerschöpflichen Scherben-Fundus. 

Es ist bekannt, dass Ernst Lösche ab den 1960-er Jahren die internationale Keramikforschung immer wieder verblüffte. Der Grund sind seine Ausgrabungen, seine Erkenntnisse über die Diessener Hafnerproduktionen und der eindeutig belegte Nachweis, dass die früheste lokalisierte Fayenceherstellung Süddeutschlands in Diessen beheimatet war.

Sein Sohn Wolfgang Lösche war von Jugend an in die Forschungsarbeit eingebunden. Er wirkte über Jahrzehnte mit, als bei sämtlichen Baustellen in Diessen – natürlich auch auf dem Lösche-Grundstück am Kirchsteig – tonnenweise Scherben aus Werkstattbruchgruben und von ehemaligen Produktionsstätten zu Tage getreten sind. Darunter Berge weise Material mit den Dekoren und Farben, wie sie der sechsfach gedrückte Krug aufweist. Lösche hat sich auf die Keramikforschung konzentriert und in seiner Magisterarbeit das plab und weiß Geschirr aus Diessen wissenschaftlich aufbereitet. 

Bevor der Krug zur Versteigerung aufgerufen wurde, befand er sich einige Tage am Kirchsteig, dort, wo er einst entstand. Für das Münchner Auktionshauses Vogt begutachteten die Lösches die über 300 Jahre alte Arbeit. Wolfgang Lösche: „Ich verbürge mich mit meiner wissenschaftlichen Forschung, dass es ein Original Diessener Stück ist.” Malerei, Dekore und die exakte formale Übereinstimmung mit Fundstücken aus Diessener Hafnereien seien eindeutig gesichert. 

Der Krug stammt vom Lösche-Grundstück am Kirchsteig, wo um 1684 ein Hafner namens Wilhelm Rauch Keramik machte. Er, Lösche, sei überglücklich, dass der Krug für immer in Diessen ist. Hier gehöre er her. Das hätte auch die Fachwelt befunden und sich bei der Versteigerung zurückgehalten. Viele Sammler hätten mit der seltenen Fayence geliebäugelt. „Aber”, das bestätigt auch Bürgermeister Kirsch, „die Experten waren einig: Diese seltene Arbeit, die auch noch vollständig erhalten ist, darf nicht in einer privaten Sammlung verschwinden, dieser Krug gehört in die Öffentlichkeit.” Da wird er auch bleiben. Er hat einen Ehrenplatz in einer der Rathausvitrinen, die auch die Arbeiten zeigen, die seit 2001 mit dem Diessener Keramikpreis ausgezeichnet worden sind. Zu besichtigen immer zu den Öffnungszeiten der Behörde am Marktplatz 1 (Montag bis Freitag: 8.00 bis 12.00 Uh, zusätzlich am Dienstag von 14.00 bis 16.00 Uhr und am Donnerstag von 14.00 bis 18.00 Uhr).

 

 

 


Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst:

Salz und Pfeffer

 

DIESSEN.– Der Pavillon am See ist mitten drin im Diessener Töpfermarkt. Gleich beim Dampfersteg und in Nachbarschaft zu den historischen Fischerhütten ist die Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst – die ADK, wie man in Dießen sagt – seit 81 Jahren daheim. In der Kunsthalle, im Stile des Bauhauses gebaut, zeigen 30 ortsansässige Kunstschaffende Zinn und Keramik, Malerei, Bildhauerei in Stein und Holz, textiles Gestalten, Gold- und Silberschmiede, Glasveredelung, Kunstschmiede, Papierkunst und mehr.
Die Dauerausstellung ist ein Merkmal der Künstlerkolonie Dießen. Wer mit dem Dampfer ankommt oder in die Seeanlagen spaziert, erlebt das ganze Jahr über, wie sich das Kunstschaffen entwickelt und als Impulsgeber wirkt. Heuer bringt sich die ADK auch ins Töpfermarktgeschehen ein und stellt eine aktuelle Sonderausstellung im Pavillon am See unter ein modernes Thema: Schwarz und Weiß oder Salz und Pfeffer. Das gibt es in Textil, Ton, Glas, Malerei ...  
 
Hier die Sommer-Termine der ADK:


-  Während des Töpfermarktes ist der
ADK -Pavillon täglich 10 bis 18 Uhr offen


-   Samstag, 28 Juni
Sommerfest mit dem Flair der Künstlerkolonie von einst, direkt am Seeufer


- Sonntag, 29. Juni
Kinderwerkstätten am See, 11 bis 16 Uhr,
unter Anleitung der ADK-Künstler werden kreative Berufsbilder ausprobiert


-   Mittwoch, 15. August
Kunsthandwerkermarkt am See, 10 bis 18 Uhr, Infotelefon 0 88 07 – 84 00

 


Von Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 1. Mai bis Sonntag, 4. Mai 2008

Diessener Töpfermarkt am See

 

DIESSEN am Ammersee.- Nach drei Jahrzehnten Töpfermarktgeschichte in Diessen am Ammersee, beginnt die Großveranstaltung heuer an einem denkwürdigen Tag: Christi Himmelfahrt trifft heuer mit dem Mai-Feiertag zusammen. Nie wieder in der überschaubaren Zukunft, meint Marktleiter Wolfgang Lösche, werden die beiden Tage auf ein und dasselbe Datum fallen. „Deshalb tragen wir den 1. Mai mitten hinein in den Töpfermarkt.“ 150 Keramiker aus 12 Ländern zeigen Beispiele ihrer keramischen Kunst in Glasur, Form und Dekor. Der Markt im traditionellen Töpferort ist Jahr für Jahr Anziehungspunkt für bis zu 60.000 Besucher, Sammler, Galeristen und Keramikfreunde aus aller Welt.

 

Die Marktleitung bespielt den zwei Kilometer langen Seeuferabschnitt wieder mit Themenschwerpunkten und mit einer spannungsreichen Dramaturgie aus den keramischen Werkgruppen. So gestaltet sich der Spaziergang durch die Parklandschaft mit Blumen und Bäumen, die übergeht in ein freies Seeufergelände, das mit dem Charme historischer Fischerhütten, der Dampferanlage und den kleinen Bootsstegen besticht, zu einem unve­gesslichen Erlebnis. Im Zentrum, gleich gegenüber der Kunsthalle der Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst, stellen die Töpfer am 1. Mai einen Maibaum auf, der ausnahmsweise nicht mit Symbolen bayerischen Brauchtums geschmückt ist, sondern mit Töpferware aus Europa. Somit ist der Maibaum auch ein Zeichen für die Völkerverständigung und für vier Tage des Miteinanders, des Austausches und der Begegnung zwischen Keramik, See und oberbayerischer Lebensart, eingebettet in die Region zwischen dem Marienmünster zu Diessen und dem Heiligen Berg mit dem Kloster Andechs.

Wolfgang Lösche hat wieder interessante Schwerpunkte gesetzt, die das Töpferhandwerk in neue Dimensionen rücken. Der zentrale Ausstellungspavillon, bei dem die meisten Besucher ankommen, präsentiert auf dem Markt 2008 Keramik-Teller. Alle am Markt vertretenen Werkstätten fertigen Keramik-Teller in ihrer typischen Arbeitsweise und Handschrift. Das lenkt die Besucher zu den Ständen, deren Werkstattstil sie in besonderem anspricht. Der zentrale Ausstellungspavillon ist somit wieder die Drehscheibe der individuellen Route, die der Besucher auf dem großen Gelände einschlägt. 

In Nachbarschaft – wo der Mühlbach in den Ammersee fließt und sich ein kleines Delta bildet - schiebt sich die Werkstatt des griechischen Töpfers Nikos Kavgalakis über den See. Hier bietet sich dem Amphorenmeister Raum und Ambiente, seine Vorratsgefäße und Pflanztöpfe auf einer „Straße aus Drehscheiben“ zu fertigen und großräumig auszustellen. Wieder wird er Großgefäße drehen in der Tradition der griechischen Töpfer. Damit sie an Ort und Stelle gebrannt werden können, baut der Brennofenhersteller Helmut Rohde (Internet: www.rohde-online.net) aus dem oberbayerischen Prutting bei Rosenheim einen Brennofen auf, der den speziellen Bedürfnissen entspricht.

  

Daneben ist Helmut Rohde Stifter des Diessener Keramikpreises. Auch in diesem Jahr sind die Töpfer am Markt aufgefordert, Arbeiten für den auf 3.000 Euro dotierten Preis zu realisieren. Die Marktleitung hat dafür das Motto „Vorbilder aus der Natur“ ausgegeben. Wer mitmacht, reicht seine Wettbewerbsarbeiten rechtzeitig vor Marktbeginn im Diessener Rathaus ein. Die Marktleitung bereitet den Festabend vor, bei dem der oder die Preisträger gewürdigt werden und ihre Preise erhalten. Die Veranstaltung findet, wie in jedem Jahr, am Abend des ersten Markttages im Traidtcasten, einem historischen Ausstellungsort in Diessen statt. Die Preisverleihung ist ein Höhepunkt beim Diessener Töpfermarkt und jedes Jahr aufs Neue ein Meilenstein in der Darstellung von Qualität und handwerklichem Können des europäischen und zeitgenössischen Schaffens der Kunsthandwerker.

 

Keramikweg: Spaziergang durch Diessen 

 

Der Keramikweg durch die Marktgemeinde Diessen empfängt Spaziergänger und leitet sie zu Orten, die mit Keramik in der Marktgemeinde am See zu tun haben. Unter anderem werden örtliche Werkstätten Stationen am Keramikweg sein, wie auch der Taubenturm, in dem Heribert Nehyba, Keramikforscher aus Herrsching, Keramikfunde aus der Region zeigt. Die Marktgemeinde Diessen bereitet sich jetzt schon auf ihr attraktivstes Ereignis im Jahreslauf vor. Gastronomie und Hotellerie, gemütliche Wirtschaften und romantische Biergärten, aber auch Segelschulen und Wassersport-Stätten zeigen sich von ihren schönsten Seiten.

 

Termine und Anreise

 

Der Diessener Töpfermarkt am See beginnt, wie gewohnt an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 1. Mai und endet am Sonntag, 4. Mai. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr in den Seeanlagen vor Diessen.

Die Anreise erfolgt mit verschiedenen Verkehrsmitteln, wobei die weiß-blaue Flotte auf dem Ammersee mit ihren Raddampfern und Luxuslinern den Marktbesuch zusätzlich bereichert.

- Die Dampfer der Ammersee-Schifffahrt legen am Dampfersteg in der Marktmitte an.

- Wer mit der Ammerseebahn anreist, steigt direkt am See aus und ist mit wenigen Schritten mitten im Marktgeschehen.

- Für Reisende mit dem Auto sind Großparkplätze am nördlichen Ortsrand ausgewiesen. Shuttlebusse verkehren in regelmäßigen Abständen und lassen die Besucher direkt im Markt aussteigen.

- Wer aus der nahen Umgebung kommt, kann über die den Ammersee begleitenden Wander- und Radelwege aus allen Himmelsrichtungen sportlich ankommen.

 

 

 

 

 

 

In Diessen am Ammersee ist die Keramik zuhause:

Der Ort des guten Tons

 

DIESSEN.– In der Marktgemeinde Diessen am Ammersee ist die Keramik zu Hause. Seit dem Mittelalter. Viele fragen sich warum. Die Antwort ist ganz einfach: Große Tonlagerstätten auf den Diessener Fluren begünstigten die Entwickung des Hafner- und Zieglerhandwerks. Im 14. Jahrhundert gab es bereits Ziegeleien, was Flurnamen wie Ziegelstadel, Ziegelwiese und Ziegelboden beweisen. Sie erinnern noch heute an dieses Handwerk, das den Bedarf an Dachziegeln, Dachreitern, Ziegelsteinen, keramischen Bodenplatten und Geschirr deckte.

 

Dass die Töpferei blühte, hängt aber auch mit der sozialgeschichtlichen Entwicklung des Ortes
zusammen, in dem die Landwirtschaft untergeordnet war, stattdessen Handel und Handwerk die Struktur bestimmten. Größter Auftraggeber war das Kloster, außerdem wurden die Diessener Waren im ganzen Pfaffenwinkel und darüber hinaus verhandelt. Die Bevölkerung in Diessen war zu keiner Zeit eine rein bäuerliche und daher nicht vergleichbar mit Orten in der Nachbarschaft.

 

Schon im 11. und 12. Jahrhundert hatte Diessen den Status einer Kleinstadt und war damals bedeutender als die heutigen Kreisstädte Weilheim und Landsberg/Lech. In der Nachfolge der Grafen von Diessen und Andechs, prägte das große Augustiner Chorherrenstift den Ort am Ammersee. Die geistlichen Herren betrieben eine Siedlungspolitik, die auf das Gewerbe setzte. Handwerker gestalteten den Ort und das Kloster gab ihnen Brot und Arbeit. Das Kloster mit seinem Repräsentationsbedürfnis war größter Auftraggeber für Kachelöfen und dekorative Objekte, was durch Rechnungen und Briefprotokolle nachgewiesen ist. In diesen Protokollen ist genau festgehalten, wie Ökonomie- und Klostergebäude ausgestattet wurden und wie viele Gulden die Hafner dafür bekommen hatten.

 

Im Verhältnis zu Holz verarbeitenden Handwerkern, oder zu Bäckern, Metzgern und Schustern, die den alltäglichen Bedarf deckten, war die Zahl der Hafner für die damals 200 Häuser in Diessen überproportional hoch. Sie stellten wesentlich mehr Tonwaren her, als für die lokale Versorgung nötig waren. Die bisher älteste Urkunde stammt aus 1631. Sie besagt, dass die drei ansässigen Hafner sich nur ernähren können, weil sie „plab und weiß Geschirr“ in ferne Städte verhandeln.
Auch die Ausstattung der Kloster-Apotheken in der Region, die von den oberbayerischen Seen bis in die Alpen reichte, bescherte den Töpfern eine Menge Arbeit. Salbengefäße, Schalen, Krüge und spezielle Geschirre  bildeten die Basis für Verdienstmöglichkeiten im Pfaffenwinkel, wo es damals mehr Klöster auf kleinem Raum gab, als anderswo. Dabei haben sich die Diessener auf die handwerkliche Fayence-Herstellung spezialisiert. Begünstigt durch hervorragende weiß deckende Tone, die sich für die weißen Glasuren eigneten, die – mit blauen Symbolen und Dekoren bemalt – als „Diessener plab und weiß” in die Geschichte eingingen, florierte der Handel prächtig.

 

So kommt es gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu einem Zuwachs auf acht  Anwesen in denen Hafnergeschirr hergestellt wurde. In Diessen gab es zu dieser Zeit 328 Häuser. In einer Schilderung von Michael Wening, zu Beginn des 18. Jahrhunderts findet sich folgende Bemerkung: „Man macht auch diß Orths vil schönes weisses Hafner-Geschirr, so weit und brait verhandelt wird.” Daraus lässt sich schließen, dass die Fayencen, die in Diessen produziert wurden, wohl hauptsächlich für den Verkauf nach auswärts bestimmt waren.

 


Für den täglichen Gebrauch stellten die Hafner bis ins 19. Jahrhundert Irdengeschirr her. Davon wurde in jedem Haushalt viel verbraucht zum Essen und Trinken, für Milchverarbeitung, Vorratshaltung und vieles mehr. Hier sind die Tone der Region von größter Bedeutung gewesen, denn Glas war für die Bevölkerung zu teuer. So hat sich das Handwerk der Hafner fest etabliert. Einen Höhepunkt gab es dann in den 1920-er  Jahren, heute produzieren zehn Werkstätten am Ort:

 

 

 

Wenn Schüsseln und Tassen Geschichten erzählen

Neue Malkunst auf Keramik

 

 

DIESSEN.– Treten neue Ausdrucksformen im keramischen Schaffen auf, sieht man sie ziemlich schnell auf dem Diessener Töpfermarkt: In diesem Jahr fällt eine Gruppe junger Keramiker auf, die in der Oberfläche neue Wege gehen. Sie gestalten ihre Objekte und Geschirre mit moderner oder klassicher Malerei, mit grafischen Elementen oder sie malen ganze Geschichten auf die feinen Porzellane. Dabei verzichten sie darauf, sich an der historischen  Überlieferung zu orientieren. Ihre Ideen entstehen in der Gegenwart für die Zukunft.
Es sei ein großes Bemühen der Jury, auf dem Diessener Töpfermarkt immer wieder Neues zu zeigen, „das, was es bisher nicht zu sehen gab”, betont Marktleiter Wolfgang Lösche. Die Jury mache es sich nicht leicht, aus rund 400 Bewerbern immer 150 auszuwählen, die dem Markt Akzente der Zeit verleihen: „Keramik, die noch ein Stück mehr Individualität mitbringt, die auch in der Qualität steigerungsfähig ist, insgesamt sollen es Keramiken sein, die man noch nicht hundertmal gesehen hat.”
Man bemühe sich, Wiederholungen von Vorhandenem auszuschalten und möglichst viele neue Impulse aufzunehmen oder zu entwickeln. Dies sei gegelungen, sagt der Marktleiter und beschreibt zeitgemäße Aussagen, die vor allem von den ganz jungen Keramikern kommen, „Malerei – das ist der internationale Trend.”
Die junge Generation der Töpfer setzt zum Beispiel auf neu interpretierte Oberflächengestaltungen – vor allem auch auf die Malerei. Da nähern sich die einen der Gestaltungskraft, die schon in den 1960-er und 1990-er Jahren aufgefallen ist und die wegen ihrer Perfektion in Ostdeutschland, im Umfeld von Meißen, noch weit er verbreitet ist als andernorts. Diese feine Art der Malkunst ist bei Keramikmalerinnen wie Sonngard Marcks und Sigrid Hilpert-Artes, daheim, die noch als Porzellanmalerinnen ausgebildet wurden und die Technik meisterlich umsetzen im Stil der Zeit.


Kelly’s Cracks
Die Malerei auf Keramik dient nicht nur dem Dekor. Die junge Töpfergeneration, auf der Suche nach zeitgemäßen Ausdrucksformen, benutzt auch die Gefäßformem, um die Malerei in den Vordergrund zu rücken. Dies geschieht unter anderm auch durch grafische Gestaltung oder durch malerische Bildwerke, Beispiele sind unter anderem die Arbeiten von Pit Arens oder Susanne Petzold. Schaut man am Stand von Pit Arens vorbei, begegnet man einer Malerei,  die eine moderne Bildsprache spricht. Malerei, die kein untergeordnetes Dekor ist, sondern als Gestaltungselement im Blickpunkt steht. 
Mit drei unterschiedlichen Aussagen im keramischen Gestalten tritt die Ateliergemeinschaft aus drei Frauen auf, die sich Kelly’s Crack nennt. Ihre Ausdruckskraft konzentriert sich in erster Linie auch auf die Oberfläche. Sie greifen Patchwork-Elemente auf, gehen stark ins Florale – in jedem Fall dominieren sie ihre Oberflächen mit Grafik und Malerei, und beweisen im jungen keramischen Schaffen, was die Stilmerkmale der Zeit sind. Spannungsreich sind auch Oberflächen, die in Porzellan oder Steinzeug mit eingelegten farbigen Tonen neue Gestaltungswelten entstehen.
Unsere Bilder zeigen  Beispiele von Malerei auf Keramik und starke Aussagen mit Porzellan Tassen von Kordula Kuppe, Fliesen von Britta Mikasch und Malerei von Pit Arens.

 

 

 

 

Frankreich kommt gewaltig:

Tonangebend

 

 

DIESSEN.– Für sie ist der Diessener Töpfermarkt eine Drehscheibe der fachlichen Kommunikation. Hier begegnen sie Sammlern, Galeristen und Vertretern von Museen: Die französischen Töpfer sind heuer sogar die stärkste Abordnung aus dem Ausland. 16 Werkstätten präsentieren sich am AmmerseeMarktleiter Wolfgang Lösche freut sich: „Die französischen Keramiker nehmen die weite Reise auf sich, weil für sie die Präsenz auf unserem Markt wichtig ist.” Mit ihrer keramischen Vielfalt und den bekannten Keramikerpersönlichkeiten bedeuten sie auch für die Veransaltung am Ammersee eine Bereicherung. In diesem Jahr seien wieder bekannte Werkstätten aus dem Töpferzentrum La Borne vertreten, wie David Bernard oder Hervé Rousseau. Allerdings sei das Erscheinungsbild heuer mehr abgerundet: Waren bisher holzgebrannte Steinzeug-Geschirre und die erdigen, schwer wirkenden Objekte im Blickpunkt, würden dieses mal leichte Porzellane mit großer Strahlkraft auftreten. Der Facettenreichtum spanne sich von duftiger Malerei über Lüster-Fayencen und Steinzeug, das mit blumiger Malerei gefällt. Sammler der Objekte von Michel und Louise Gardelle dürfen gespannt sein. Nachdem die Gardelles im letzten Jahr nicht am Ammersee waren, sind sie diesmal wieder im Zentraum des Events. Neu ist Helene Lathoumetie, die dem Minimalismus, der auch im keramischen Schaffen einen festen Platz erobert hat, mit zauberhaften verpielen Geschirren und Einzelstücken entgegentritt. Es ist feines Porzellan in zarten Farben, das mit seinem verspielten Auftritt gerade so charmant daherkommt, als sei es soeben aus Großmamas Geschirrschrank gestiegen. Mehrere neue Auftritte vertreten die Strömungen aus Frankreich, dazu gehört auch das Steinzeug von Malie Vignon aus Risoul.

 

 

 

Der größte Pithos der Welt – Extra für Diessen von Nikos
Tradition trifft Moderne

 

 

 

DIESSEN.– Er ist der Star auf dem Diessener Töpfermarkt: Seit acht Jahren strömen die Besucher zu Nikos Kavgalakis. Und die meisten sind stolz, wenigstens für kurze Zeit einen Platz auf der Bühne des kretischen Töpfers zu ergattern, um ihm nahe zu sein und alle Handgriffe zu sehen, die typisch sind für seine uralte Handwerkskunst. Sagen die einen, Nikos ist der griechische Amphorenmeister, schwärmen die anderen von seinen Gefäßen, wovon sie mindestens eines in jedem Jahr mit heim nehmen. Wenn die Pithoi und Pflanzgefäße, die Vorratskrüge und Schalen langsam zur Neige gehen am Seeufer, dann ist es allen klar: Jetzt ist auch der Diessener Töpfermarkt bald aus.
Im vergangenen Jahr hat sich Nikos vorgestellt, einmal den Rekord zu brechen und das größte Gefäß zu drehen, das es bis dato jemals auf dem Diessener Töpfermarkt gab. Für den gewaltigen Pithos hat Schmiedemeister Walter Spensberger extra eine Töpferscheibe vergrößert und die Sonderanfertigung auf seinem blauen Lieferwagen in die Seeanlange kutschiert. Das war gar nicht so einfach. Auf jeden Fall ist sie nach präziser Montage am größten Stand des Töpfermarktes auch bald einsatzbereit gewesen.
Die Zuschauer haben die Entwicklung des Pithos genau verfolgt. Sie bestaunten, wie das Vorratsgefäß aus einem Haufen Ton herauswuchs, und langsam Gestalt annahm. Es ist so hoch wie ein durchschnittlich groß gewachsener Mensch, hat 85 Zentimeter im Durchmesser und ist sehr, sehr schwer, „weil der Ton auch noch recht dickwandig ist”, informiert Marktleiter Wolfgang Lösche.
Nun könnte man sagen, es handelt sich um ein Gefäß „typisch Dießen”. Das stimmt: Es ist hier entstanden, und es soll auch hier bleiben. Damit es gelingt, haben Helmut und Benjamin Rohde einen Brennofen mitten in die Seeanlagen hineingebaut. Helmut Rohde: „Hier trifft Tradition auf moderne Technik.” Ursprünglich wollten die Brennofenhersteller aus Prutting bei Rosenheim einen Holzbrennofen installieren, das sei aber wegen der Gefäßgröße nicht machbar gewesen.
Also beschloss Rohde, einen modernen Ofen zu bauen, der mit Gas befeuert wird und in relativ kurzer Zeit, dank eines zerteilbaren Systems, an Ort und Stelle steht. Sobald der Phitos im Brennofen verschwunden ist, setzt ein von Fachleuten betreuter Brennvorgang ein. Zehn Stunden rechnet Rohde, bis das einzigartige Exemplar aus dem Ofen geholt wird. „Das ist dann der interessanteste Augenblick”, freut sich Rohde und wünscht sich, dass die Marktbesucher das Ereignis miterleben. Wann der Ofen ausgeräumt wird? Möglicherweise am Freitag, zwischen 16 und 18 Uhr. 

 


Ein Paradies, in dem Keramik blüht:

Im Garten des Töpfers

 

 

DIESSEN.- Im Garten des Töpfers heißt der Film, der am Sonntag, 27. April im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Es ist der Film über ein Kunsthandwerk, das der Gemeinde Diessen seinen Stempel aufgedrückt hat: „Die Keramik gehört zu dem Ort wie der Ammersee", sagt der Filmautor und Regisseur Matti Bauer und erzählt wie ihn die Dreharbeiten bei Ernst Lösche berührt und fasziniert zugleich haben. Er drehte Im Garten des Töpfers in der Reihe Unter unserem Himmel im vergangenen Jahr zur Zeit des Diessener Töpfermarkts 2007. 

„Wer den Garten des Keramikers Ernst Lösche betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Vorbei an einem Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert geht es durch einen Kräuter- und Gemüsegarten, in dem die keramischen Erzeugnisse empor wuchern wie exotische Pflanzen: Gartenkugeln in den verschiedensten Formen, Farben und Glasuren, auf Stangen gepflanzt wie die Trophäen eines Jägers. 

Schwarz gebrannte Krüge und Schalen, die an Schnüren aufgehängt sind und im Wind schau-keln. Kleine Meisterwerke neben misslungenen Stücken, die auseinander gebrochen sind und in der Gesamtheit ein faszinierendes Freiluftmuseum bilden ... Der Meister ist 85 Jahre alt, beim Gehen benutzt er einen Stock, dennoch steht er morgens als erster am Brennofen. Her-gestellt werden die Stücke von drei Frauen. Sie heißen Karin, Manuela, Claudia und sie arbeiten im Nebengebäude, wo schon der letzte Probst des Augustinerchorherrnstiftes sein Maleratelier aufschlug. Ein feiner Staub hat sich übers Mobiliar gelegt und lässt einen ver-gessen, dass die Töpferscheibe elektrisch betrieben und der Brennofen mit Gas beheizt wird."

Im wirklichen Leben  - im Gegensatz zur Filmwelt - ist der Garten des Töpfers ein Paradies und die Keramik scheint darin zu blühen: Die Gartenlandschaft zwischen den historischen Werkstätten und dem stattlichen Wohnhaus aus dem 18. Jahrhundert zeigt das aktuelle Schaffen der Töpfer vom Kirchsteig, während im hauseigenen Keramikmuseum die lange Geschichte der Diessener Hafnertradition lebendig wird.   

Die frühesten Exponate stammen aus  dem 11. Jahrhundert. Sie erzählen wie im Hafner-Ort, den die Welt kennt, ein Kunsthandwerk die Zeiten überdauert und heute zu immer neuen Höhepunkten geführt wird. Einmal im Bezug auf die historische Forschung und zum anderen dank einer Handwerkskunst, die der Zeit voraus ist. Auch da ist der Garten des Töpfers immerwährende Kraftquelle und Lieferant für die Glasuren, die Lösche Keramik unverwech-selbar machen, zum Beispiel wenn Mohnkapseln im Spiel sind …

 

Hier die Termine:

Sonntag, 27. April

Im Garten des Töpfers wird im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. 19 Uhr.

 

Donnerstag, 1. Mai bis Sonntag, 4. Mai

„Im Garten des Töpfers“ wird im Info-Zelt auf dem Diessener Töpfermarkt vorgeführt. Die Termine orientieren sich am Interesse des Publikums (einfach fragen).

 

Samstag, 3. Mai

Der Filmemacher und Regisseur Matti Bauer berichtet im Info-Zelt auf dem Diessener Töpfermarkt über seinen Film. Gedanken und Eindrücke von den Dreharbeiten „Im Garten des Töpfers“, 15 bis 16 Uhr

 

Donnerstag, 1. Mai bis Sonntag, 4. Mai

Das Werkstattmuseum und der Garten des Töpfers sowie die Werkstätten von Ernst Lösche und Dagmar Larasser sind an den Tagen des Diessener Töpfermarktes immer von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Kirchsteig 19 bis 21 in Dießen-St. Georgen.
   

 




 

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